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17.05.2009: Für Fritz Der Berliner Rugby Club spielt um den Einzug ins Ligafinale - den Titel will man dem verstorbenen Präsidenten widmen.
BERLIN. Dass sich ein Bundesligateam bereits einen Tag vor dem Auswärtsspiel auf die Reise macht, ist eigentlich nicht der Rede wert. Beim Berliner Rugby Club, wo schon eine schnöde Busfahrt nach Frankfurt am Main einen finanziellen Kraftakt bedeutet, ist eine gemeinsame Nacht in der Fremde aber die Ausnahme. "Wir haben nicht einmal Geld, um den Trainer zu bezahlen", sagt Timo Krins. Man befürchtet, der Vorsitzende des BRC würde gleich das ganz hohe Klagelied anstimmen oder gar den sportlichen Klassenkampf ausrufen. Krins jedoch nimmt es mit Humor: "Wenn Sie einen Sponsor für uns haben, sagen Sie einfach Bescheid."
Gegensätzlicher könnte das Halbfinale um die deutsche Meisterschaft nicht sein - und ein wenig ungerecht sei es auch, wie es Krins nun doch herausrutscht. Denn die notorisch klammen Berliner treffen am Sonnabend auf den Ligakrösus, sozusagen auf den FC Bayern im Rugby, und das ist der SC 1880 Frankfurt: aktueller deutscher Meister, natürlich wieder Tabellenführer und heißer Anwärter auf die Titelverteidigung. Möglich macht es der Rohstoffhändler Dr. Ulrich Byszio, der schon mal angekündigt hat, dass sich seine im Ausland zusammengekauften Profis einen neuen Job suchen können, sollten sie gegen Berlin verlieren.
Profis - davon können sie beim BRC nicht weiter entfernt sein. "Unsere Mannschaft besteht aus Studenten und nur wenigen Berufstätigen", sagt Krins. "Niemand bekommt ein Gehalt." Nicht einmal der momentan einzige deutsche Nationalspieler Colin Grzanna. Der Chirurg ist nebenbei auch Trainer des BSC und somit wohl bestens dafür geeignet, die Frankfurter Abwehrreihen in ihre Bestandteile zu zerlegen. Grzanna sagt: "Wir werden es ihnen schon zeigen."
Es sind nicht nur die Finanzen, die den Halbfinaleinzug des BRC so unwirklich erscheinen lassen.
Eigentlich lag das Team vor der Rückrunde bereits abgeschlagen im Mittelfeld. Doch dann folgte eine grandiose Aufholjagd, alle Heimspiele wurden gewonnen, zuletzt sogar gegen Frankfurt, was den Halbfinaleinzug überhaupt erst möglich machte. Es heißt, die Mannschaft habe auch für ihren Ende 2008 verstorbenen Präsidenten gespielt. In der so erfolgreichen Rückrunde trugen die Spieler schwarze Gedenktrikots.
Fanbus storniert
Fritz Feyerherm hat den Rugbysport gelebt, sagen die beim BRC. Über drei Jahrzehnte lang hat er den Club geführt, den Spielbetrieb aufrechterhalten und die Jugend gefördert - ehrenamtlich, aber irgendwie mehr hauptberuflich. Krins sagt: "Er hat sein ganzes Leben darauf ausgerichtet." Die Meisterschaft würde der BRC in erster Linie seinem ehemaligen Präsidenten widmen.
Doch nicht alle scheinen an den Titelgewinn zu glauben. Aus mangelndem Interesse musste der Bus wieder storniert werden, der die Fans nach Frankfurt hätte bringen sollen. Für einen Mannschaftsbus aber hat das Geld gereicht.
Paul Linke Elenio Mattera |
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