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Samy Füchsel für die Europameisterschaft nominiert

Berliner Sturmtalent etabliert sich in der Ersten Reihe der Deutschen Nationalmannschaft

03.02.2015 | Autor: Lukas Wende

Am kommenden Samstag beginnt die erste Runde des European Nations Cup (ENC), für den sich die Deutsche Nationalmannschaft nach einer umkämpften Saison in der zweiten Division des ENC qualifiziert hat. Gleich zu Beginn geht es in Heusenstamm gegen den amtierenden Meister der ersten Division: Georgien. Die Gäste haben den Wettbewerb in den letzten sieben Jahren sechs mal für sich entscheiden können und gelten durch diese Dominanz wohl nicht zu Unrecht als mittelfristiger Aufstiegskandidat für das traditionsreiche Eliteturnier der Six Nations, in dem sich die sechs stärksten Rugby-Nationen der Nordhemisphäre alljährlich messen. In den Reihen der Hünen aus dem Kaukasus stehen etliche Profis aus der französischen TOP 14. Rumänien, Russland, Spanien und Portugal komplettieren das Teilnehmerfeld, in dem sich das im Aufbau befindliche Deutsche Team als krasser Außenseiter behaupten muss. Bei dem letzten „Ausflug“ in das Europäische Oberhaus vor sechs Jahren kämpften die Deutschen  bei einigen hohen Niederlagen, aber auch bei der einen oder anderen engen Partie, letztendlich vergeblich um den Klassenerhalt, welcher in den nächsten 24 Monaten behauptet werden soll. Auch mit Hilfe vom jungen Stürmertalent Samy Füchsel.

Aber drehen wir erst einmal die Uhr um ganze sechzehn Jahre zurück: In der Tunhalle der Mühlenau-Grundschule in Berlin-Zehlendorf wirbt der langjährige Präsident des Berliner Rugby-Clubs, Fritz Feyerherm, in einer Sportstunde um Nachwuchs für seinen Verein. Der kleine und pummlige Erstklässler Samy ist von Anfang an begeistert und schließt sich schnell der U8 des BRCs an. Bereits als C-Schüler gewinnt er mit seiner Mannschaft die erste Deutsche Meisterschaft. Schon früh deutet sich sein außerordentliches Talent an. Seine Kennzeichen sind krachende Tacklings, dynamische unaufhaltbare Läufe durch die Verteidigung und eine, für seinen Körperbau untypische, technische Finesse. Doch nur talentiert zu sein, ist ihm nicht genug. Mit viel Disziplin und Einsatzbereitschaft nutzt er jede Trainingseinheit, um sich und die Mannschaft stetig zu verbessern. Bis heute bleibt es ein Mysterium, wie er es geschafft hat, all die Jahre ohne starke Sehkraft und ohne die unerlaubte Brille die gegnerischen Verteidigungen niederzuringen. Einen großen Schub verdankt sein sportlicher Aufstieg dem Erfinder der Kontaktlinse. Mit diesem Wundermittel brauchte Samy seine Gegner nicht mehr nur zu riechen. Seine Leistungen für den BRC auf bundesweiten Turnieren und Meisterschaften werden spätestens mit der Nominierung für die U16-Nationalmannschaft belohnt. Im Trikot der Deutschen Rugby Jugend bringt er sein spielerisches Können und seine Athletik auf die nächste Stufe. Für seinen Verein fängt er schon früh an für die III. Herren-Mannschaft zu spielen. An seine Zeit in der U18 erinnern sich einige Spieler in der Regionalliga Nord/Ost sicherlich mit wehmütiger Erleichterung; es gilt in diesen Tagen als Heldentat den stürmischen Samy nach einigen Metern doch noch stoppen zu können. Die Positionen, die er dabei spielt, kann er sich faktisch aussuchen. Mal läuft er als Innendreiviertel auf, mal als Nummer Acht und auch als quirliger Gedrängehalb wird er auf den Rugbyplätzen gesichtet. Seinen wahren Platz aber findet er aber in der U18-Nationalmannschaft als Prop. Mit dieser talentierten Truppe tritt er im französischen Toulon und Treviso (Italien) bei den Europameisterschaften 2009 und 2010 an. Im ersten Jahr schafft er den Aufstieg in die oberste Division, im zweiten Jahr spielt er mit seinen Jungs ein fantastisches Turnier, bei dem der Klassenerhalt gesichert wird. An das Spiel gegen Irland aus diesem Wettbewerb wird sich Rugby-Deutschland noch lange gerne erinnern. Der Präsident des Europäischen Rugby-Verbandes nannte die knappe 20:11-Niederlage „match historique d’allemandes“. Auf seinen achtzehnten Geburtstag, der ihn für die erste Bundesliga spielberechtigt macht, warten die Berliner mit Spannung. Er kann die Erwartungen mehr als erfüllen. Der 120-kg-Mann bringt frischen Wind in die oberste deutsche Spielklasse. Seine fulminanten Einsätze bringen ihn in den engeren Auswahlkreis der Herren-Nationalmannschaft.

Jubelnd im BRC-Trikot

Der Bundesligist Heidelberger RK, der seit geraumer Zeit auf semiprofessioneller Basis versucht, die besten Spieler Deutschlands zu rekrutieren und mit Hilfe der Wild Rugby Academy auf internationale Aufgaben vorzubereiten, macht ihm nach seinem Abitur ein Angebot, das er nicht ablehnen kann. Mit dem Wechsel sichert er sich neben seiner Zukunft im Bundeskader auch einen Studienplatz für frühkindliche Elementarpädagogik. Auch in Heidelberg weiß er seine Trainer und Zuschauer auf und neben dem Platz zu begeistern. Sein junges Alter merkt man dem Berliner weder auf dem Spielfeld noch im alltäglichen Leben an. Wer Samy kennt, weiß, wie höflich, zuvorkommend, freundlich und reif er ist, wobei der Rugby-Sport sicherlich auch eine große Rolle gespielt hat. Nach dem Wechsel an den Neckar ließ das erste Länderspiel nicht lange auf sich warten.

Samy im Länderspiel gegen Moldawien

Heute hat sich Samy als Prop-Stammkraft in der Nationalmannschaft etabliert. Er zählt mit seinen jungen 22 Jahren zu den Leistungsträgern im Kader und hatte einen wesentlichen Anteil am Aufstieg. Wir wünschen ihm eine erfolgreiche sportliche und persönliche Zukunft und den Klassenerhalt mit der Nationalmannschaft.

Von David Giorgobiani und Lukas Wende

Das Spiel gegen Georgien findet am Samstag, den 07. Februar im Sportzentrum Martinsee in Heusenstamm statt. Ankick ist um 14 Uhr.

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